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PR Dominik Zeh

 
Frankenpost, 3. November 2000
 
Dominik Zehs Weg zum Militär-Weltmeister
Turbulente Anreise, Gehirnerschütterung, schlaflose Nacht und ein Happy End
 
Dominik Zeh / Foto: Kauper
 
In der Nacht vor dem Finale machte Dominik Zeh kein Auge zu. Immer wieder ging er in Gedanken den Kampf durch, wie er ihn sich vorstellte. Seinen Kontrahenten aus der Türkei hatte er bei den ersten Auftritten fleißig gefilmt, viele Stärken und kaum Schwächen gesehen. "Der hat alle rat-fatz von der Matte geputzt. Mensch, Dominik, dachte ich, wie wird es dir ergehen." Wie ein Blitz durchfuhr es ihn dann, dass Angst der schlechteste Ratgeber ist. Der 23 Jahre alte Hofer Ringer feuerte sich quasi selbst an. "Du schaffst es, der Bursche ist kein Roboter", murmelte er gebetsmühlenartig vor sich hin. Und stellte sich vor, wie der General ihn im Basecamp von Jacksonville in North Carolina ehren würde und der für den Sport in der Bundeswehr zuständige Oberstleutnant ihn umarmen würde.
 

Eigenmotivation

Die Eigenmotivation hatte, wie bereits kurz berichtet, durchschlagenden Erfolg: Dominik Zeh, aus dem ASV Hof hervorgegangener und jetzt für Hallbermoos in der Bundesliga startender Ringer, ist seit einer knappen Woche Militär-Weltmeister. Ein toller Erfolg, sein größter in der noch. jungen Laufbahn, denn Miltär-Weltmeisterschaften haben fast den Status Olympischer Spiele. "In fast allen führenden Ringer-Nationen sind die besten Athleten in den jeweiligen Militärsportfördergruppen." Zeh gehörte zu den wenigen Nicht-Olympioniken und war mit bescheidenen Erwartungen angereist. "Ich wollte internationale Erfahrungen sammeln und nicht schlechter sein als bei meiner ersten WM, bei der ich Fünfter geworden war."

 
Aber es lief vom ersten Kampf an blendend. Obwohl Dominik Zeh noch ein wenig die Strapazen einer kuriosen Anfahrt in den Knochen stecken hatte. Die Bundeswehr hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes verflogen und war in Florida gelandet. Zwar auch in Jacksonville, aber halt im verkehrten. "Ich hatte mich natürlich daheim schon etwas schlau gemacht und wunderte mich, dass wir so lange an der Küste entlang flogen." Aber Zeh sagte noch nichts, dachte, das werde schon alles seine Richtigkeit haben.
 
Als er das Flugzeug verließ, wurde zur Gewissheit, was er befürchtet hatte. Brütende Hitze empfing ihn, Menschen in Badehosen und Bikinis, überall Palmen. Riesen-Aufregung im deutschen Bundeswehr-Tross! Und an ein Umsteigen in den nächsten Flieger war nicht zu denken - viel zu teuer. Immerhin reichte das Geld in der Reisekasse noch für die Übernachtung.
 
Anderntags organisierten die Militär-Ringer zwei Vans und einen Pkw, in dem der Oberstleutnant vorausfuhr." Über 1000 km war das andere, das richtige Jacksonville entfernt. Erst hoppelten sie auf einem stinklangweiligen Highway mit 80 Meilen/h dahin, wechselten dann auf eine Küstenstraße und waren von den Naturschönheiten begeistert. Endlich, gegen drei Uhr morgens, kamen sie im Camp an.
 
Alles andere als eine optimale Vorbereitung auf diesen hochkarätigen Wettkampf. Aber Dominik Zeh hatte Glück. Die Freistil-Ringer waren erst am vierten Tag an der Reihe. "Ich akklimatisierte mich dann ziemlich schnell und war im ersten Kampf hellwach." Gegner war ein Grieche, gegen den er vor Jahren schon einmal bei einer Jugend-WM gekämpft und mit 1:7 verloren hatte. Zeh drehte den Spieß um und konterte seinen Kontrahenten klassisch aus. 6:1 führte er, 30 Sekunden vor Kampfende.
 
"Das müsste reichen, dachte ich noch, als ich einen Schlag gegen die Schläfe erhielt. Die Anweisungen des Kampfrichters erreichten mich wie durch einen Nebel. Der Grieche musste in die Bodenlage, ich wusste gar nicht wo ich hinlangen sollte."
 

Nur nicht kotzen!

Zeh wusste überhaupt nichts mehr. Gehirnerschütterung, diagnostizierten die Wettkampfärzte hinterher und dachten schon daran, den Hofer aus dem Verkehr zu ziehen. "Wenn er sich übergibt, hat's keinen Zweck", hörte sie Zeh sagen. Dem war's tatsächlich speiübel. "Jetzt nur nicht kotzen", hämmerte er sich ein. Es ging gut. Dominik erwischte das Freilos in seinem Pool und müsste erst am nächsten Tag wieder ran. Gegen einen Amerikaner, den er souverän bezwang - Poolsieger. Im Halbfinale wartete ein Chinese. Dominik Zeh setzte auf seine bewährte Taktik, rang sehr konzentriert und konterte den ungestüm angreifenden Gegner immer wieder aus. Er führte mit einem Punkt, als er ihn auf die Schultern schmetterte.

 
Dann das Finale! Der Türke Isa Kaie, 33 Jahre alt, ein Ringer-Fuchs, Olympia-Teilnehmer in Sydney, kam mit breiter Brust auf die Matte, war natürlich haushoher Favorit. Aber Zeh hatte sich, wie eingangs erwähnt, mental bestens vorbereitet. "Ich wusste auf alle seine Griffe die richtige Antwort", berichtet Zeh, der den alles entscheidenden Kampf wie einen Film im Kopf ablaufen lassen kann. Kaie guckte immer ratloser, lag zur Halbzeit 2:3 hinten. Zeh bekam in dessen Angst vor der eigenen Courage.
 
Würdet er das 3:2 über die Runden retten können? Sein Trainer machte ihm Mut, baute ihn immer wieder auf. "Du schaffst es", flüsterte er ihm ins Ohr. Und hatte Recht. Der Türke setzte alles auf eine Karte und lief dem Hofer ins offene Messer. 6:2 hieß es am Ende, der Türke verstand die Welt nicht mehr. 5000 Dollar hatte seine Armee für den Sieg ausgelobt. Die deutschen Betreuer jubelten, Zeh rannte auf seinen Trainer los, wollte ihn umarmen und riss ihn nieder. Krachend landete Franz Heinzelbecker auf einem Stuhl und renkte sich zwei Wirbel aus.
 
Alles vergessen und vergeben. Dominik Zeh hatte für eine Sensation gesorgt. Stolz präsentiert er uns die Goldmedaille. Und spricht der Bundeswehr höchsten Dank aus. "Ich kann mich in der Sportfördergruppe optimal auf meinen Sport konzentrieren und hoffe, dass ich mir durch diesen Titel meinen Platz gesichert habe."
 
Eines will Dominik Zeh am Ende dann doch noch los werden. "Ich lege meine Hände für den Alexander Leipold ins Feuer. Der Alex ist in Sydney beschissen worden, dem haben sie das Zeugs irgendwo ins Essen oder Trinken reingekippt. Ich kenne den jetzt so lange, der würde sich nie und nimmer wissentlich dopen. Da ist er viel zu intelligent und auch viel zu sehr Sportsmann."
 
Peter Langer
 
 

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